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REFERENTEN MIT VITA

Armut macht krank. Soziale Ursachen und Gegenstrategien

Abstract zum Vortrag auf dem Symposion am 08.11.2016 in Ulm


Je niedriger der sozioökonomische Status, desto größer das Risiko von Erkrankung und frühem Tod. Da die Armut in Deutschland nach jahrelangem Anstieg aktuell auf hohem Niveau stagniert, verharrt auch die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen  in  Deutschland in einer Größenordnung, die ein zentrales Defizit gesellschaftlicher Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalts indiziert. Da in Deutschland der Zugang zu einer vollständigen und qualitativ hoch stehenden Krankenversorgung nahezu bevölkerungsweit gewährleistet ist, liegen die Ursachen vor allem in der je nach Status und Lebenslage höchst unterschiedlichen Verteilung von – physischen, psychischen und sozialen - Belastungen  und der ebenso unterschiedlichen Ausstattung mit –physischen, psychischen und sozialen Ressourcen. Besonders ungünstig liegen hier insbesondere allein Erziehende, Arbeitslose sowie generell  Menschen mit Behinderung und/oder niedriger formaler Bildung, geringem Einkommen und unsicheren Perspektiven.

Hinzu kommt: nicht nur die individuelle Position auf der gesellschaftlichen Stufenleiter (der sozioökonomische Status), sondern  auch die Länge der Leiter (also die Spreizung  z.B. der Einkommensverteilung) haben Einfluss auf die Gesundheit: je größer der Abstand zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘, desto geringer die Lebenserwartung, die gesellschaftliche Aufwärtsmobilität, der gesellschaftliche Zusammenhalt, das Vertrauen in Mitmenschen und Institutionen etc.

Ein ungünstiges Ressourcen/Belastungs-Verhältnis geht  regelhaft mit riskanterem Gesundheitsverhalten einher; allerdings erklären die Verhaltensunterschiede (v.  a. Ernährung, Bewegung, Tabak- und Alkoholgebrauch) nur knapp die Hälfte der Unterschiede in Lebenserwartung und Gesundheit.

Zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheits- und Lebenschancen  erscheinen dabei vor allem solche Interventionen aussichtsreich, die sich der Entwicklung und Stärkung – äußerer und innerer - Ressourcen widmen. V. a. individuell ansetzende Interventionen, wie zum Beispiel das in verschiedenen Spielarten angebotenes Resilienztraining  oder ähnliche Methoden zur Steigerung der  ‚Gesundheitskompetenz‘  erzeugen meist – wie andere Verhaltenstrainings auch - nur geringe und vorüber gehende Wirkung. Zudem zeigt  sich bei ihnen das ‚Präventions-Dilemma‘, durch dessen Wirkung bei Interventionen in und mit sozial benachteiligten und gesundheitlich hoch belasteten Gruppen meist die weniger schlecht gestellten Menschen mehr profitieren und sich deshalb im Ergebnis solcher Interventionen die Ungleichheit oft noch verstärkt.

Bessere Ergebnisse sind mit Interventionen zu erzielen, die die engen wechselseitigen Zusammenhänge zwischen materieller Lebenslage,  Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit, unterstützenden sozialen Netzen und Verhalten schon im Konzept berücksichtigen. Hilfreich und Richtung weisend sind hier Konstrukte wie der ‘Habitus‘ (P. Bourdieux) und  die ‚Lebensführung‘  (K. Holzkamp).

Der damit geforderten Komplexität entsprechen v. a. solche Interventionen, die unter maximaler Partizipation der  jeweiligen Nutzer deren Lebenswelten selbst zum Gegenstand der Veränderung machen (‚Setting-Projekte‘) und in deren Ergebnis Gesundheitsressourcen steigen und Gesundheitsbelastungen  sinken. Wichtige Grundlegungen stammen hier von P. Freire und K. Lewin.

Obgleich diese Art von Interventionen im Zentrum des 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetzes stehen, erfordert ihre sach- und fachgemäße Umsetzung (und Vermehrung)  absehbar energische  Anstrengungen der am Erfolg interessierten professionellen Gruppen und Kräften der Zivilgesellschaft.

Wem an der Verminderung der sozial bedingten Ungleichheit von Gesundheits- und Lebenschancen gelegen ist, sollte sich nicht allzu lang  an gedanklich leicht herstellbaren Utopien einer fairen und gesundheitsförderlichen Gesellschaft aufhalten, sondern die fördernden und hemmenden Bedingungen einer solchen Entwicklung in die Analyse einbeziehen. Diese Bedingungen wirken meist  in Richtung auf Individualisierung und häufig auch Medikalisierung der fundamental sozialen Probleme sowie als starke Sperren gegen Veränderungen der makropolitischen Chancenverteilung. Ihre  Beeinflussung erfordert  also v. a. politisches, bürgerschaftliches Engagement  und nicht so sehr professionelle Intervention.

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